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Fünfter Todestag von Kardinal König

 

Bischof Kapellari über den ehemaligen Wiener Erzbischof und Vorsitzenden der Bischofskonferenz: Er war "ein treuer und eifriger Hirte"

 

Wien, 16.3.09 (KAP)  Am fünften Todestag Kardinal Königs hatte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari in seiner Eigenschaft als Präsident der "Kardinal-König-Stiftung" im Wiener Stephansdom einen Gedenkgottesdienst zelebriert. In seiner Predigt hob Kapellari hervor, dass der Wiener Alterzbischof bis wenige Wochen vor seinem Tod "unermüdlich durch die Feier von Gottesdiensten, durch Predigten und Vorträge und durch Gespräche mit Menschen, die ihn besuchten, um sein Wort zu hören und seinen Rat zu empfangen, tätig war".

 

Kardinal König sei eine "weltweit geachtete Persönlichkeit" gewesen, ein angesehener Gesprächspartner für Christen aller Kirchen, für Juden, Muslime, für Angehörige anderer Religionen, aber auch für Nichtglaubende. Schon als junger Priester habe der Mann mit "dem königlichen Namen, der Fülle seines Wissens und der Weite seines Herzens" viele junge Menschen angezogen: "Er bot ihnen keine jugendbewegte Unterhaltung, aber eine väterliche Brüderlichkeit, die jeden ernst nahm".

 

Bischof Kapellari erinnerte daran, dass die Bischofsstadt Wien durch den sogenannten Eisernen Vorhang in eine Randlage geraten war. Als Erzbischof von Wien habe König die ersten Reisen zu den Bischöfen dieser Länder unternommen, um deren Isolierung zu durchbrechen. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil sei er einer der besonders prägenden Kardinäle gewesen.

 

König habe aber nicht nur nach außen gewirkt, sondern sei ebenso ein "treuer und eifriger Hirte für seine große Diözese" gewesen. Er habe alle Pfarren visitiert, "hinzu kamen Besuche in Schulen aller Art, in Industriebetrieben und Krankenhäusern". Der damalige Wiener Erzbischof habe die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der SPÖ entkrampft. Wörtlich betonte Bischof Kapellari in diesemZusammenhang: "Er vertrat aber nicht, wie ihm fälschlich nachgesagt wurde, eine Äquidistanz der Kirche zu den politischen Parteien. Wiederholt, wenn auch gerne überhört, erklärte er, dass jede dieser Parteien ihre Nähe oder Distanz zur Kirche selbst zu bestimmen habe, je nachdem wie die für die Kirche unaufgehbaren Werte dort respektiert seien".

 

Als bischöflichen Wahl- und Wappenspruch habe Kardinal König die Worte "Veritati in caritate" ("Der Wahrheit in Liebe dienen") gewählt. Der anfangs scheu und manchmal schüchtern wirkende Priester und Bischof sei meist nicht dröhnend, wohl aber immer wieder deutlich für diese Wahrheit eingetreten. Oft habe man ihn einen "Liberalen" genannt: "Das Wort liberal ist keineswegs eindeutig. Viele verstanden und verstehen darunter eine Weite des Herzens und des Denkens, und eine solche Weite war dem Kardinal gewiss in hohem Maße eigen". Liberal im Sinne einer Aufweichung des Glaubensfundamentes der katholischen Kirche habe König aber nie sein wollen.

 

Nach seinem Abschied vom Amt des Wiener Erzbischofs 1985 habe der Kardinal durch 19 Jahre unzählige bischöfliche, priesterliche und schlicht mitmenschliche Dienste getan als "getreuer Lastenträger für Gott und für die Menschen". Seine physische Stärke und eine überaus maßvolle Art zu leben ließen ihn ein biblisch hohes Alter von fast 100 Jahren erreichen.

 

Der Einsatz für die Hospizbewegung und so für ein menschenwürdiges Sterben sei das letzte große gesellschaftspolitische Anliegen des Wiener Alterzbischofs gewesen. Er sei mit Gelassenheit, ja in der Vorfreude eines entschiedenen Christen auf die Begegnung mit Gott auf den Tod zugegangen. Wörtlich betonte Bischof Kapellari: "Die Summe eines durchbeteten Lebens, eines Lebens in Ehrfurcht vor dem unergründlichen Geheimnis Gottes, ermöglichte ihm eine solche Gelassenheit. In der Weisheit der späten Jahre wusste er auch, welche dramatischen Konsequenzen die Verdrängung und Verschweigung des Todes hat. Je mehr der Tod verdrängt wird, umso weniger verstehen es Menschen, auf humane Weise mit ihm umzugehen. Kardinal König hat für Menschenwürde bis zuletzt plädiert. In der Erinnerung vieler Zeitgenossen wird seine Mahnung bewahrt bleiben, dass Sterbende ihr Leben nicht durch die Hand eines Menschen, sondern an der Hand eines Mitmenschen beenden sollen".


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