Lackner vor Bischofstreffen in Rom: "Amoris laetitia" ist "wegweisende Schrift"

Seiner Vorfreude im Blick auf das am Mittwoch beginnende große, einwöchige Bischofstreffen zu Ehe und Familie im Vatikan hat Erzbischof Franz Lackner Ausdruck verliehen. Er freue sich sehr auf "Austausch und die Begegnungen" und die Beratungen über das vor zehn Jahren erschienene Schreiben "Amoris laetitia" von Papst Franziskus (2013-2025), so Lackner in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz wird als einer von rund 200 Bischöfen, Vertretern aus Familien sowie weiteren Experten aus aller Welt an dem von Papst Leo XIV. einberufenen Treffen von 7. bis 14. Oktober teilnehmen.
Mit "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) habe Franziskus im Jahr 2016 "eine wegweisende Schrift" publiziert, in der es dem Papst darum ging, "Wege aufzeigen, wie Kirche ein Ort authentischer Barmherzigkeit sein kann, der sowohl das Ideal als auch die konkrete Wirklichkeit des einzelnen Menschen berücksichtigt", so Lackner. Nun gelte es, "in synodaler Unterscheidung auf dieses Schreiben und sein Vermächtnis zu blicken". Schließlich sei die Kirche heute "mehr denn je gerufen, zu bekräftigen und zu zeigen: Die Freude der Liebe - persönlich, dauerhaft und einzigartig - ist kein unerreichbares Abstraktum, sondern kann Wirklichkeit werden." Die Begleitung der Menschen "in allen Lebenslagen, in Freuden und auch in Herausforderungen" sei der Kirche heute mehr denn je aufgetragen, so Lackner.
Schreiben löste heftige Debatte aus
Schwerpunkt des Treffens, zu dem Papst Leo XIV. die Vorsitzenden aller katholischen Bischofskonferenzen weltweit nach Rom ruft, ist die Frage, wie die katholische Kirche Familien begleiten kann, damit diese den Glauben weitergeben können. Bei der Präsentation des Schreibens "Amoris laetitia" vor zehn Jahren spielte Österreich eine wesentliche Rolle: Kardinal Christoph Schönborn nahm damals auf Wunsch des Papstes die Vorstellung des Textes im Vatikan vor.
Das im Nachgang der Familiensynode von 2014/2015 veröffentlichte Schreiben löste damals eine lebhafte Debatte über den Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten aus. Sie gipfelte im November 2016 in einem öffentlich gemachten Brief von vier Kardinälen, die Zweifel ("dubia") äußerten und vom Papst eine Klarstellung verlangten. Franziskus hatte in dem Schreiben in einer Fußnote (Nr. 351) festgehalten, dass Wiederverheiratete in der katholischen Kirche nicht länger kategorisch vom Zugang zu Beichte und Kommunion ausgeschlossen sein sollten.
Das offizielle Leitwort des aktuellen Bischofstreffens hat Papst Leo XIV. so formuliert, dass es eher nicht um die strittigen Punkte aus dem Jahr 2016 gehen soll, sondern um eine positive Wendung. Es lautet: "Zehn Jahre nach Amoris laetita - Das Evangelium in den Familien heute verkünden." In seiner Ankündigung des Treffens schrieb der Papst unter anderem, das Dokument "Amoris laetitia" biete "eine wertvolle Lehre, die wir heute weiter vertiefen müssen: die biblische Hoffnung auf die liebevolle und barmherzige Gegenwart Gottes, die es ermöglicht, 'Geschichten der Liebe' zu leben, auch wenn man 'Familienkrisen' durchlebt".
Beratungen im synodalen Stil
Die Vorbereitung der Versammlung hat Papst Leo der Vatikanbehörde für Laien, Familie und Leben sowie dem Generalsekretariat der Synode anvertraut. Stattfinden werden die Beratungen im bereits erprobten "synodalen Stil" in der vatikanischen Audienzhalle. Nach einem morgendlichen Impuls und einer Einführung in das täglich wechselnde Thema beraten die Teilnehmenden zunächst in 16 Kleingruppen. Jeweils am Nachmittag werden die Ergebnisse im Plenum besprochen.
Pro Thema ist bei dem Treffen ein kurzer einführender Vortrag eines Bischofs, eines Experten sowie ein Erfahrungsbericht von "Betroffenen", also Eheleuten oder Familien, vorgesehen. Die Themen lauten: "Familien heute: Realität, Schönheit und Herausforderungen", "Junge Menschen und die Entdeckung der Berufung zur Ehe", "Eheleben. Die ersten Ehejahre: Eine entscheidende Zeit", "In den Schwierigkeiten des Lebens: Begleitung und Unterstützung" sowie "Christliche Familien als Subjekte der kirchlichen Mission".
Papst Leo XIV. wird zu Beginn der Versammlung am Mittwochnachmittag (7. Oktober) sowie zum Abschluss am 14. Oktober sprechen. An diesem Tag leitet er auch die große Abschlussmesse auf dem Petersplatz. Die Leiterin der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften, die britische Ordensfrau und Ökonomin, Helen Alford, hält eine einführende Meditation für die Teilnehmenden der Versammlung.
Am Ende der Beratungen steht ein zusammenfassender Bericht, der an Papst Leo XIV. übergeben wird. Im Schlussgottesdienst wird der Papst in seiner Predigt vermutlich auf das eingehen, was bei den Beratungen hinter verschlossenen Türen debattiert wurde. Kirchenrechtlich handelt es sich bei dem Treffen nicht um eine Synode, weshalb kein formales Schlussdokument erforderlich ist.
(Website zum Treffen: www.amorislaetitia.va)
Quelle: kathpress (06.10.2026)



