Trauer um Bischof Aichern und Dankbarkeit für sein Wirken

Betroffen vom Tod des früheren Linzer Diözesanbischofs Maximilian Aichern (1932-2026) haben sich am Samstag zahlreiche kirchliche Verantwortungsträgerinnen und -träger gezeigt. Von einem Hirten, der seine Sendung "unmittelbar im Herzen seiner Herde lebte", sprach der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner. Kardinal Christoph Schönborn gedachte eines "glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums von der Menschenfreundlichkeit Gottes".
Weiters äußerten sich die Bischöfe Josef Grünwidl (Wien), Wilhelm Krautwaschl und Johannes Freitag (Graz-Seckau), Hermann Glettler (Innsbruck), Militärbischof Werner Freistetter, Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt), Josef Marketz (Gurk-Klagenfurt), Alois Schwarz (St. Pölten), die Ordenskonferenz-Vorsitzende Sr. Franziska Madl, die Katholische Aktion Österreich, Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer, Oberösterreichs evangelischer Superintendent Gerold Lehner, Pastoralinstituts-Vorsitzende Gabriele Eder-Cakl, Pastoraltheologe Paul Zulehner, die Katholische Privat-Universität Linz und das Mauthausen-Komitee.
Aicherns Nachfolger als Linzer Bischof, Manfred Scheuer, hatte seine Trauer bereits am Samstagmorgen bei der Bekanntgabe vom Ableben des Altbischofs durch die Diözese Linz geäußert.
Lackner bekundet Trauer und Dankbarkeit
Zur Trauer über den Verlust des Linzer Altbischofs gesellt sich für Erzbischof Franz Lackner eine "große, tiefe Dankbarkeit für sein langes Wirken". Mit Aichern sei jemand heimgegangen, "der sein Amt und seine Sendung als Hirte unmittelbar im Herzen seiner Herde lebte". Aichern habe sich betreffen lassen von den Schicksalen der Menschen, "vergaß keine Person, der er begegnete", so Lackner. Der Verstorbene habe sich um die Arbeitslosen, die Vertriebenen gesorgt, das entschiedene Auftreten und der Einsatz der Kirche in sozialen Fragen sei ihm eines der größten Anliegen gewesen, würdigte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.
Aichern sei bis ins hohe Alter ein gern gesehener Gast gewesen, "der seine reichen Erinnerungen und auch sein profundes Wissen über die Geschichte der Kirche teilte". Lackner nannte es eine schöne Fügung, "dass Bischof Maximilians lange irdische Pilgerreise im Dienst an Gott und den Menschen am heutigen Tag der Feier des geweihten Lebens vollendet wurde" und rief zum Gebet für den Verstorbenen auf.
Schönborn: Zeitlebens "Seelsorger der Nähe"
"Mit tiefer Dankbarkeit" blickt Kardinal Christoph Schönborn auf das Wirken dieses am Samstag verstorbenen Altbischofs Maximilian Aichern zurück. Der Wiener Alterzbischof nannte ihn einen bedeutenden österreichischen Hirten, der "zeit seines Lebens ein Seelsorger der Nähe" geblieben sei. "In unserer Erinnerung behalten wir Bischof Maximilian als glaubwürdigen Zeugen des Evangeliums von der Menschenfreundlichkeit Gottes."
Geprägt von seiner Herkunft aus einem Wiener Arbeiterbezirk und seiner benediktinischen Spiritualität als Mönch und Abt von St. Lambrecht, habe Aichern "eine feine Sensibilität für die Sorgen der einfachen Menschen" besessen und deren Interessen mit Nachdruck vertreten. In der Bischofskonferenz sei der Linzer Bischof eine ausgleichende Stimme mit viel Augenmerk auf die soziale Frage gewesen.
Besonders hob Schönborn Aicherns Einsatz für das Erbe von Franz Jägerstätter hervor: "Dass der Prozess zur Seligsprechung dieses großen oberösterreichischen Glaubenszeugen zu einem guten Abschluss fand, ist maßgeblich Bischof Maximilian zu verdanken."
Grünwidl: "Er wusste, wo der Schuh drückt"
"Er war ein Hirte, der die Menschen suchte und verstand", heißt es im Nachruf des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl auf Maximilian Aichern. Die Wurzeln des gebürtigen Wieners in der Reindlgasse und seine ursprüngliche Ausbildung zum Fleischhauer hätten Aichern geprägt: "Er wusste, was Arbeit bedeutet und wo den Leuten der Schuh drückt", so Grünwidl. Als Benediktiner habe der Verstorbene eine bodenständige Spiritualität gelebt, die Gebet und sozialen Einsatz verband. Aicherns Gespür für Gerechtigkeit habe ihn weit über die Kirche hinaus zu einer viel beachteten Stimme gemacht. Grünwidl "denke mit Dankbarkeit an diesen Sohn unserer Erzdiözese" und "großen Bischof von Linz".
Krautwaschl: "Er war und ist ein Vorbild"
"Er war und ist ein Vorbild" lautet der Titel eines Statements der beiden steirischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl und Johannes Freitag zum Tod von Altbischof Aichern auf der Grazer Diözesan-Website. Diözesanbischof Krautwaschl lernte den Verstorbenen bei Exerzitien im steirischen Benediktinerstift St. Lambrecht kennen, dem Aichern von 1977 bis 1982 als Abt vorstand. "Er war ein offenherziger, an vielem interessierter Mensch, der dem Evangelium schon als Abt und durch seine Lebensgeschichte Hand und Fuß verliehen hat", so der Grazer Bischof. Die Kirche verliere mit Aichern einen Menschen, der soziale Fragestellungen gesehen und angepackt habe. "Er machte unseren Glauben für die Menschen lebendig und nützlich. So war und ist er ein Vorbild."
Bischof Aichern habe ihm die Gabe vermittelt, "mit ganzem Herzen im Gespräch da zu sein", teilte Weihbischof Johannes Freitag mit. "Seine Menschenfreundlichkeit und sein gütiger Blick waren für mich damals ein gutes Beispiel für glaubhafte Nachfolge."
Glettler: Wort- und tatkräftiges Engagement
Dankbar für zahlreiche persönliche Ermutigungen, die ich von ihm erhalten habe, äußerte sich der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler in seinem Nachruf auf Altbischof Aichern. "Seine geerdete, benediktinische Spiritualität, seine Lebensfreude und beständige Sorge um ein belastbares Miteinander in einer vielfach belasteten Gesellschaft wurden für unzählige Menschen zur echten Orientierung." Bis zu seinem Tod habe Aichern die Wachsamkeit für den Erhalt des Menschlichen und sein wort- und tatkräftiges Engagement für sozial Benachteiligte ausgezeichnet. Er sei damit über seinen Tod hinaus "ein wichtiger Zeuge der Frohbotschaft Jesu". Unvergesslich bleibe vor allem Aicherns Beitrag zur Erstellung des ökumenischen "Sozialwortes" von 2003, das nichts an Dringlichkeit verloren habe.
Freistetter: "außerordentlich herzlich und gütig"
Militärbischof Werner Freistetter erinnerte sich an den verstorbenen Linzer Altbischof als "außerordentlich herzlichen und gütigen Menschen". Beeindruckt hätten ihn Aicherns unermüdliches soziales Engagement und sein hoffnungsvoller Blick auf die Zukunft von Kirche und Gesellschaft - "eine Einstellung, die von tiefem Gottvertrauen zeugt". Bis ins hohe Alter habe Aichern viele kirchliche Dienste ausgeübt. "Dafür habe ich ihn sehr bewundert", so Freistetter.
Zsifkovics: "Weit über aktive Zeit hinaus beliebt"
Tief betroffen und traurig über den Tod von Bischof Maximilian Aichern hat sich der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics gezeigt: Der ehemalige Sozialbischof aus Linz sei ein Hirte gewesen, "der bei den Menschen war, die Menschen verstand, besonders auch die Arbeitenden und jene, die an den Rändern des Lebens angesiedelt sind". Aichern sei aber auch ein "Bischof des Dialoges" gewesen, so der burgenländische Oberhirte: Er habe Brücken weit über die Diözese Linz hinaus gebaut und "Bleibendes für uns alle geschaffen".
Zsifkovics würdigte den verstorbenen Bischof als "einen der wenigen, der weit über seine aktive Zeit hinaus gefragt und beliebt war". Er sei immer bereit gewesen, Verpflichtungen anzunehmen "und weit über den Tellerrand der österreichischen Kirche hinauszuschauen".
Marketz: "Kirche in Österreich nachhaltig geprägt"
Auf die Kärntner Wurzeln Aicherns wies der Klagenfurter Bischof Josef Marketz hin. Aicherns Vater stammte aus Kärnten, der Bischof selbst habe bis zuletzt viele Freundschaften in Kärnten gepflegt. Die besondere Wertschätzung, die dem Linzer Altbischof von vielen Kärntner Gläubigen entgegengebracht wurde, habe Marketz selbst erlebt, als er 2021 mit Aichern und dem Grazer Altbischof Egon Kapellari im Gurker Dom einen Festgottesdienst anlässlich des Dreifachjubiläums von Kapellari gefeiert habe.
Marketz hob besonders die "herausragenden und bleibenden Verdienste" von Bischof Aichern als österreichischer Sozialbischof hervor. Mit dem "Sozialhirtenbrief" und der "Allianz für den freien Sonntag" habe dieser die Kirche in Österreich nachhaltig geprägt.
Tief betroffen zeigte sich der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz über den Tod Aicherns. "Bischof Aichern war ein aufmerksamer Zuhörer und sozial einfühlsamer Seelsorger, der es im Umgang mit den Menschen verstand, dort zu helfen, wo die Not am größten war", schrieb er auf Instagram.
Madl erinnert an Ordensprägung Aicherns
Auf die benediktinische Prägung des Verstorbenen verwies Sr. Franziska Madl in ihrem Statement als Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz: "Bischof Maximilian Aichern war als Hirte und Seelsorger ganz nah bei den Menschen. Als Ordensmann hatte er außerdem eine besondere Aufmerksamkeit für die Bedeutung und die Bedürfnisse von Ordensleuten in der Kirche und darüber hinaus." Aichern sei, wann immer es ihm möglich war, bei Veranstaltungen wie dem jährlichen Ordenstag dabei gewesen. "Wir werden ihn sehr vermissen, wissen ihn aber in Gottes liebenden Händen. Danke für alles!", schloss die Priorin der Dominikanerinnen in Wien-Hacking.
KAÖ: "Verlieren einen Solidaritätsstifter"
"Mit Bischof Aichern verlieren wir einen Solidaritätsstifter", erklärte KAÖ-Präsident Ferdinand Kaineder in einem vom Führungstrio der Katholischen Aktion Österreich unterzeichneten Nachruf auf den Verstorbenen. Der Linzer Altbischof war von 1982 bis 2005, während seiner gesamten Amtszeit, in der Bischofskonferenz für die Katholische Aktion mit ihren Gliederungen zuständig. Das Laienapostolat sei für den aus der Katholischen Arbeiterjugend Kommenden wesentlich für eine "jesuanisch-christliche Weltgestaltung als Kirche in der Jetztzeit" gewesen. Bis zuletzt habe sich Aichern eingesetzt für das vielfältige Wirken der Katholischen Aktion in Kirche und Welt und deren entsprechende Ausstattung eingesetzt.
Als Beispiele für Themen, die Aichern am Herzen lagen, nannte die KAÖ eine faire Arbeitswelt, den arbeitsfreien Sonntag, ein Wirtschaften um der Menschen willen, globale Gerechtigkeit, eine geschlechtergerechte Kirche mit den Frauen in allen Ämtern, eine "nachhaltig sozial-ökologisch-spirituelle Welt" und Widerstand gegen die wachsende Ungleichheit.
Aichern habe "breite Menschlichkeit gelebt", sei auf empathische Weise auf alle zugegangen und habe allen ein offenes Ohr geliehen. "Seine wertschätzende und hellwache Haltung hat viele Menschen angesprochen, imponiert und aufgerichtet", schrieb Kaineder. Im Vordergrund sei dabei besondere Hinwendung zu den Schwächeren gestanden.
Mit Bischof Maximilian verliere die Kirche auch "einen besonderen Mitchristen der Tat", verwies der KAÖ-Nachruf auf Aicherns aus dem Evangelium abgeleitetes Gespür für soziale Gerechtigkeit und grenzenlose Zusammengehörigkeit und Solidarität. "Er ist aufgestanden, wo es eine starke Stimme für die Benachteiligten gebraucht hat", wies Kaineder hin. Bischof Maximilian habe sich als Diener einer vielfältigen Einheit verstanden "und trotz Anfeindungen gelebt".
Stelzer: "Moralische und geistige Säule" in OÖ
Auch der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer äußerte am Samstag Trauer über den Verlust. In einer Aussendung des Landes OÖ sprach er Aicherns Angehörigen, dessen Mitbrüdern im Orden, den Gläubigen der Diözese Linz sowie allen Menschen, die Aichern verbunden waren, sein "tief empfundenes Beileid" aus. "Altbischof Maximilian Aichern war eine moralische und geistige Säule unseres Landes", so Stelzer. Sein unermüdliches Eintreten für soziale Gerechtigkeit, die Würde jeder einzelnen Person und den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft blieben "Vorbild und Auftrag für uns alle".
Aicherns Leben sei mehr als ein Amt gewesen - "es war ein Dienst an den Menschen". Mit seinem tiefen Glauben und seinem offenen Herzen habe er vielen Mut gemacht. "Wir verlieren einen großen Seelsorger und einen bedeutenden Vertreter des sozialen Gewissens in Österreich", schloss der Landeshauptmann.
Evangelische Kirche: "Motor der Ökumene"
Auch die Evangelische Kirche in OÖ trauert um Bischof Aichern als einen "treuen Freund" und "Motor der Ökumene". Superintendent Gerold Lehner erinnerte in seinem Nachruf, die Ökumene in OÖ habe nicht erst mit Bischof Maximilian begonnen, "aber er hat sie energisch gefördert" und auf der Ebene persönlicher Beziehung und Freundschaft gefestigt. Aichern sei selber noch vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils geprägt gewesen und habe diesen Geist auch in seiner Diözese wehen lassen, so Lehner. Gerade auch in der Ökumene habe sich das positiv ausgewirkt: "Was hier gewachsen ist, an wechselseitigem Verständnis, an herzlicher Gemeinschaft, an inhaltlicher Übereinstimmung, das war auch nach seiner Emeritierung nicht mehr rückgängig zu machen."
Er selbst habe Bischof Maximilian erst nach dessen Emeritierung kennengelernt, berichtete Lehner, und er sei beeindruckt von Aicherns Freundlichkeit, von seinem unglaublichen Gedächtnis und seiner Demut gewesen. "Als evangelische Kirche sind wir dankbar für sein Wirken und seine Freundschaft. Er war ein Licht, nicht nur in der Kirche, sondern in dieser und für diese Welt. Ein Licht der Orientierung und ein Licht der Wärme."
Eder-Cakl: "Von Bischof Maximilian geprägt"
Als eine "von Bischof Maximilian sehr geprägte Linzerin auf der Ebene der Österreichischen Bischofskonferenz" meldete sich die Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), Gabriele Eder-Cakl, zu Wort. Sie übermittelte "ein großes DANKE" dafür, dass Aichern sie "durch seinen Glauben und sein Hirte-Sein als Christin und in meinem Berufsleben begleitet und geprägt" habe. Besonders in Erinnerung sei Eder-Cakl die Ermunterung des Verstorbenen: "Lasst euch die Freude am Christsein nicht nehmen."
Vor dem Hintergrund des von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozesses und dem Bild einer synodalen Kirche, die gemeinsam am Weg ist, erschienen viele davor liegende Entscheidungen von Bischof Aichern ganz in diesem Sinne, erinnerte die Theologin. Bemerkenswert sei seine Wertschätzung für die Bedeutung von Frauen und Laien in der Kirche gewesen: Eder-Cakl habe diese selbst als Pastoralassistentin, Leiterin des Kommunikationsbüros, eines Bildungszentrums und des Pastoralamtes der Diözese Linz aus dem Mund des Bischofs erfahren, und sie sei auch zum Predigtdienst und zur Taufspendung in einer Pfarre beauftragt worden. Bereits in den 1990er-Jahren habe sich Aichern bei einer Weltbischofssynode für das sakramentale Diakonat für Frauen eingesetzt.
Aicherns Überzeugung als Sozialbischof - "Die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt" - und sein Engagement für Menschenwürde, Gerechtigkeit und "ein gutes Leben für alle" seien "Visionen auf dem Boden der christlichen Botschaft" gewesen. Eder-Cakl über den Bischof: "Er hat durch seinen Einsatz hier auch wirklich etwas zum Guten bewegt."
KU Linz: Leitwort "Das Gespräch suchen"
Auch die KU Linz trauert um Aichern, der als Linzer Bischof auch "Magnus Cancellarius" der Katholischen Privat-Universität war. "Das Gespräch suchen" habe der Titel eines der Kapitel des Österreichischen Sozialhirtenbriefs 1990 gelautet - "und es könnte auch die Überschrift über Leben und Werk von Bischof Maximilian Aichern OSB sein", würdigte Rektor Michael Fuchs den Verstorbenen. Ob bei der Diözesanversammlung in der Diözese Linz, dem "Dialog für Österreich" der Kirche Österreichs, dem Sozialhirtenbrief der Österreichischen Bischöfe oder dem Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen, Aichern sei für eine neue Kultur des Gesprächs zwischen unterschiedlichen Interessengruppen in Kirche und Gesellschaft gestanden, lange bevor Synodalität zum Programm der Kirche wurde.
Dass die Kirchen in Fragen der Gestaltung der Politik und des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht nur das Recht, sondern die Pflicht zur Stellungnahme haben, betonte Bischof Maximilian nach den Worten von Fuchs immer wieder. Als Beispiele nannte der Linzer Ethik-Professor den Schutz des Sonntags, die Energie- und Umweltpolitik, die Europäische Einigung, die Sozialpolitik oder das Zusammenspiel der Sozialpartner im Wirtschaftssystem. "Bischof Maximilian stand für einen sozialen und politischen Katholizismus, der keine Scheu vor Kontroversen und keine Berührungsängste mit den unterschiedlichen Parteien, Organisationen und Gruppen in Österreich hatte", schrieb der KU-Rektor. Gern habe er in Anekdoten von den Zeiten berichtet, als es noch Irritationen hervorrief, wenn ein Bischof allzu intensiven Kontakt "zu den Roten" pflegte.
In einer Zeit, in der "herablassendes Gerede über angeblich 'faule' Menschen ohne Erwerbseinkommen" und Empfänger von sozialen Transferleistungen in der Gesellschaft ebenso in Mode gekommen sei wie die Kürzung von Sozialleistungen in der Politik, wird das Gedenken an Aichern laut Prof. Fuchs zur Mahnung und Verpflichtung: "Die Verteilungsgerechtigkeit muss uns allen auf der Seele brennen", habe der Bischof betont.
Die KU Linz Linz wisse sich dem Andenken des Sozialbischofs in Dankbarkeit verpflichtet, besonders mit ihrem Studien- und Forschungsschwerpunkt Wirtschaft - Ethik - Gesellschaft, dem Johannes Schasching-Institut für Christliche Sozialwissenschaften, dessen Gründung Aichern noch begleitete, und nicht zuletzt mit der jährlichen Maximilian-Aichern-Gastvorlesung.
Zulehner: Es gab auch Kritik am Kirchenkurs
Bischof Aichern sei "das freundliche Gesicht der Kirche in Österreich" gewesen, der jedoch in Linz, in der Bischofskonferenz und in Rom auch auf Leute traf, "die seine Amtsführung nicht nur gut fanden", wie der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner in seinem Nachruf erwähnt. Aichern habe viele Entwicklungen in der Diözese Linz zugelassen, die andere für den Kirchenkurs Verantwortliche missbilligt hätten. Mit dem früheren Passauer Bischof Franz X. Eder sei sich Aichern in seinen heute synodal anmutenden Vorstellungen über die "längst fällige Entwicklung der Kirche im Herzen Europas" einig gewesen.
"Ich werde seine stets freundliche Zuneigung vermissen", schrieb Zulehner über den Verstorbenen.
Mauthausen Komitee: "Leuchtturm des Erinnerns"
Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) würdigte Bischof Aichern als eine ihrer zentralen Gründerpersönlichkeiten. Das Gedenken an die Opfer des NS-Terrorregimes und der Einsatz für ein "Niemals wieder!" seien für den Verstorbenen ein wichtiges Anliegen gewesen, erklärte MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi. Der Tod dieses "Leuchtturm des Erinnerns" "schmerzt und ist menschlich und gesellschaftspolitisch ein großer Verlust".
Quelle: kathpress (31.01.2026)





