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Hirtenworte & Erklärungen
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"Botschaft von Mariazell"

 

Gemeinsames Wort der Bischöfe von Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Österreich, der Slowakei, Tschechien und Polen aus Anlass des "Mitteleuropäischen Katholikentages" 2004 in Mariazell

 


 

Wir Bischöfe bitten alle unserem Hirtendienst anvertrauten Christen: Versteckt Euren Glauben nicht! Bleibt nicht am Rand des Weges in die gemeinsame Zukunft stehen! Geht mit, denkt mit, redet mit, arbeitet mit, sucht Allianzen mit allen Menschen guten Willens! Jeder von Euch kann dazu etwas Kostbares beitragen. Was sollen wir als Christen in Europa heute und morgen tun? Wir Bischöfe haben als Antwort auf diese Fragen sieben Bitten formuliert, die wir Euch, liebe Christen, Brüder und Schwestern, auf den Weg in die Zukunft mitgeben:


1. Den Menschen Christus zeigen

"Ihr sollt meine Zeugen sein", hat Jesus Christus den Aposteln gesagt. Er sagt es auch zu uns. Viele Menschen in Europa kennen Christus nur oberflächlich oder noch gar nicht. Wir sind berufen, ihnen Christus zu zeigen. Wir begegnen ihm, wenn wir tief eintauchen in die Heilige Schrift, in das Gebet und in die Feier der Liturgie. Dazu brauchen wir eine konsequente Einübung. In den letzten Jahren ist dies leider oft versäumt worden. Wenn wir Christus wirklich gefunden haben, dann wird er uns drängen, die Freude darüber mit möglichst vielen anderen Menschen zu teilen. Wir werden missionarische Christen sein.

 

Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.


2. Beten lernen und beten lehren

Europa wird nur gesegnet sein, wenn es hier viele Menschen gibt, die miteinander und auch einzeln beten und so Gott eine lobende, dankende und bittende Antwort auf das Wort geben, das er durch Schöpfung und Erlösung immer neu zu uns spricht. Unsere Pfarrgemeinden und Gemeinschaften sollen noch mehr Schulen des Gebetes werden. Heiligkeit und Schönheit als Teilhabe am Glanz Gottes müssen die Liturgie wieder stärker prägen.

 

Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.


3. Das Glaubenswissen vermehren und vertiefen

"Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt", lesen wir im 1. Petrusbrief. Dies ist ein Wort auch für heute. Inmitten einer Bildungsgesellschaft ist es notwendig, dass Christen die großartige Gesamtgestalt des christlichen Glaubens gut kennen, damit sie in der Begegnung mit anderen Religionen und Lebensmodellen ernst genommen werden und bestehen können. Der "Katechismus der Katholischen Kirche" ist eine wichtige Hilfe zur Einübung in ein vertieftes Glaubenswissen.


Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.


4. Zeichen setzen

Täglich begegnen die Menschen in unseren Ländern einer Flut von Worten und Bildern. Nur weniges davon redet für Gott und für die Kirche. Wir können dem als Christen aber positive Zeichen entgegensetzen, indem wir das Kreuz in der Wohnung und im Arbeitsbereich, das Tischgebet und das Gespräch über religiöse Themen nicht verstecken. Das Zeichen des Kreuzes und andere christliche Symbole und Riten haben ihren Platz ebenso im privaten wie im öffentlichen Raum. Wir tragen als Christen sehr viel zum Wohl der Zivilgesellschaft unserer Länder bei. Das Christentum ist im Ganzen eine Großmacht weltweiter Barmherzigkeit und verdient daher den Respekt und auch die Dankbarkeit der Zivilgesellschaft.


Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.


5. Die Sonntagskultur bewahren

Der möglichst arbeitsfreie Sonntag als gemeinsamer Tag größerer Ruhe ist ein hohes Gut, dessen Preisgabe der ganzen Gesellschaft schweren Schaden zufügen würde. Uns Christen ist der Sonntag heilig. Er ist ein Tag des Feierns vor Gott und mit Gott, ein Tag des Dankes für Schöpfung und Erlösung und ein Tag der Familie. Wir wollen Allianzen gegen die Aushöhlung des Sonntags suchen und mittragen.


Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.


6. Leben schützen und entfalten

Entschiedene Christen sind Freunde des menschlichen Lebens in allen seinen Dimensionen: Freunde des geborenen und des noch nicht geborenen, des entfalteten und des behinderten, des irdischen und des ewigen Lebens. Dieses Leben ist heute besonders an seinem Anfang und seinem Ende bedroht. Wir werden daher unsere Kraft von Hirn, Herz und Hand einsetzen, um Menschen und ihre Umwelt zu schützen und zu entfalten. Unsere besondere Sorge gilt den Ehen und Familien. Sie sind unentbehrliche Bausteine der Gesellschaft und der Kirche. Die geringe Zahl der Kinder in unseren Ländern ist eines der größten Probleme Europas. Wir halten am Ideal stabiler Ehen und Familien unbeirrt fest und tragen am Geschick jener Menschen helfend mit, denen stabile Beziehungen zerbrochen sind.


Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.


7. Die Solidarität in Europa und weltweit fördern

Die Katholiken unserer acht Länder haben im zu Ende gehenden Jahr des Mitteleuropäischen Katholikentages viel miteinander und füreinander getan. Sie haben so die Solidarität der Zivilgesellschaft in unseren Ländern gestärkt. Dieses Miteinander darf nach der "Wallfahrt der Völker" nicht wieder schrumpfen. Wir Bischöfe bitten alle uns anvertrauten Christen: Gehen wir weiter auf dem begonnenen Weg inmitten unseres Kontinents, inmitten der ökumenischen Christenheit und inmitten der ganzen Menschheit. Die Wallfahrt der Völker war und bleibt ein wichtiges Stück dieses Weges. Die Erinnerung an das ehrwürdige Gnadenbild von Mariazell soll uns begleiten.


Bitten wir um die Kraft des Heiligen Geistes, dies zu tun.

 



Das Hirtenwort trägt die Unterschrift der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen von Bosnien-Hercegovina, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Österreich, der Slowakei, Tschechien und Polen.

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