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Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria

 

Wortlaut der Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria

 

Die Stellungnahme als PDF-Download

 

Österreich soll sich an der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem niedergebrannten griechischen Lager Moria beteiligen und die Katholische Kirche will diese Maßnahme im eigenen Bereich aktiv unterstützen. Das hat die Österreichische Bischofskonferenz in einer gemeinsamen Stellungnahme zu den jüngsten Ereignissen auf Lesbos am Mittwoch erklärt. Darin danken die Bischöfe der Bundesregierung für die angekündigte großzügige Soforthilfe vor Ort, halten dies aber für nicht ausreichend. Die Bischofskonferenz empfiehlt daher der Bundesregierung nachdrücklich "die Aufnahme eines fairen Kontingents von Flüchtlingen".

 

Kathpress dokumentiert die Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz wie folgt im Wortlaut:


 

Brennendes Elend vor den Toren Europas - und wir?

 

Stellungnahme der Österreichischen Bischofskonferenz nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria

 

Mit größter Sorge und Betroffenheit erfüllen uns die dramatischen Szenen, die sich derzeit im niedergebrannten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos abspielen. Die schon zuvor katastrophale Situation tausender Fluchtreisender hat sich dort zu einem wahren Alptraum verschärft. Verzweifelt umherirrende Frauen, Männer und Kinder - schutzlos, obdachlos und ohne Zukunft. Es sind Bilder des Elends, die zum Himmel schreien. Sie rufen uns in eine Verantwortung, von der wir uns nicht dispensieren können.

 

Jedes politische Kalkül über die Aufnahme und Verteilung von Flüchtlingen in Europa ist angesichts der aktuellen Notlage völlig verfehlt. Jetzt zählt rasches und entschlossenes Handeln. Wir können und dürfen nicht wegschauen! Wir sind dankbar für die durch die Bundesregierung angekündigte großzügige Soforthilfe vor Ort, befürchten jedoch, dass sie angesichts der prekären Lage nicht ausreichen wird. Wir brauchen noch andere Strategien der Menschlichkeit.

 

Schon im pfingstlichen Hirtenwort haben wir der Bundesregierung die Aufnahme eines fairen Kontingents von Flüchtlingen nachdrücklich empfohlen. Durch die Brandkatastrophe in dieser Woche erreicht unsere Bitte eine höhere Stufe der Dringlichkeit. Was hindert uns, dem Beispiel anderer Länder zu folgen? Europa hat die Kraft zur Solidarität - sie ist jetzt gefragt! Zahlreiche Einzelpersonen in Österreich, Städte und Gemeinden haben sich längst schon bereit erklärt, Familien und Kinder aus den heillos überfüllten griechischen Lagern aufzunehmen.

 

Es gibt keine Alternative zur schnellen und systematischen Evakuierung der Asylsuchenden aus den griechischen Lagern. Selbstverständlich sind auch wir als katholische Kirche in Österreich wieder dazu bereit, ein angemessenes Kontingent von verzweifelten Menschen in unseren kirchlichen Einrichtungen und Räumen zu beherbergen.

 

Wir folgen damit auch dem Beispiel von Papst Franziskus und erinnern dankbar an die humanitären Aufnahmeprogramme aus den syrischen Elendslagern vor wenigen Jahren. Daran gilt es anzuschließen. Gleichzeitig unterstützen die österreichischen Bischöfe den Aufruf des Präsidenten der katholischen EU-Bischofskommission ComECE, Kardinal Jean-Claude Hollerich, der die EU-Staaten mit Nachdruck aufgefordert hat, ihrer bereits zugesagten Verantwortung für die Flüchtlinge und Migranten auf den Mittelmeerinseln nachzukommen.

 

Wir Bischöfe danken allen Einzelpersonen, Hilfsorganisationen und Einrichtungen, die schon bisher mit höchstem Einsatz gegen das Flüchtlingselend an den südöstlichen Außengrenzen Europas gekämpft haben. Lassen wir die vielen Engagierten im Dienst an den Notleidenden nicht allein! Jetzt braucht es weitere Schritte einer großzügigen Nächstenliebe, die Leben rettet. Ebenso danken wir allen Menschen in Österreich schon im Vorhinein für die großzügige finanzielle Unterstützung der Caritas, die zusammen mit dem Roten Kreuz und anderen Organisationen in Griechenland im Einsatz ist.

 

 

Quelle: kathpress (10.09.2020)

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