Druckansicht - Samstag 4. Februar 2012

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"Christen leisten unverzichtbaren Beitrag für Wertehaushalt Europas"


Straßburg (KAP) Die unverzichtbare Bedeutung des Christentums für Europa hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari beim diesjährigen "Klingenthal-Symposion" der Basler "Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung" bekräftigt. "Wer die humane und kulturelle Prägung Europas durch das Christentum verschweigen will, der übersieht den wesentlichen Beitrag, den das Christentum für den Wertehaushalt europäischer Gesellschaften nach wie vor leistet", betonte der Bischof, der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Europafragen zuständig ist, bei dem Symposion auf Schloss Klingenthal bei Straßburg.


Die Kirchen würden nicht müde, daran zu erinnern, "dass Europa nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine kulturell-spirituelle Wertegemeinschaft ist und bleiben, ja noch mehr werden soll", so Bischof Kapellari. Die christlichen Kirchen in Europa hätten trotz vieler Erosionen des sogenannten christlichen Milieus nach wie vor große Ressourcen an Spiritualität, Solidarität und Barmherzigkeit. Kapellari: "Europa hat allen Grund, sein christliches Erbe nicht zu verschweigen und es nicht zu verdrängen".


In diesem Zusammenhang plädierte der steirische Bischof für eine christliche "Leitkultur" in Europa. Selbstverständlich gehöre auch das jüdische, antike, islamische, aufklärerische Erbe unbestreitbar zur "Seele Europas".


Aus christlicher Sicht seien drei Werte für eine "Leitkultur" in Europa unverzichtbar: Lebens seien aus christlicher Sicht für eine Leitkultur in Europa unverzichtbar: Die Personenwürde, die Solidarität und die Achtung des Lebens. Die Absolutheit der Personen- und Menschenwürde, wie sie in Artikel 1 der Menschenrechtscharta als deren Grundlage benannt wird, habe ihre theologische Wurzel in der Überzeugung, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen ist. Fundamental bedeutsam sei für das Personprinzip, dass der Mensch nicht auf eine Funktion für einen noch so wichtigen Zweck reduziert werden dürfe. Die Betonung des Personprinzips dürfe aber nicht mit einer Ideologie des Individualismus verwechselt werden, die das Mit-Sein vernachlässigt.


Bischof Kapellari plädierte weiters dafür, dass die EU Garant angesichts der Auswirkungen einer "wilden, ungezügelten Globalisierung" Garant für die "weltweit ziemlich einzigartigen sozialen und kulturellen Standards in Europa" sein müsse. Die EU sollte sich verstärkt in Richtung auf eine Sozialunion bewegen, so der Bischof. Freilich stehe die Union dabei vor der Herausforderung, unterschiedliche wirtschaftliche und soziale Geschwindigkeiten zu integrieren und aufeinander abzustimmen. Fernziel sei aber nicht nur eine EU-Binnensolidarität, sondern eine weltweite Solidarität, zumal mit Völkern in großer sozialer Not. Zum Gelingen eines gemeinsamen Europa und insbesondere beim Aufbau einer europäischen Sozialunion können die "synthetische Kraft des Christentums und die Prinzipien der Katholischen Soziallehre" Wesentliches beitragen.


Die Würde des menschlichen Lebens ist unteilbar, unterstrich Kapellari weiter: "Christen sind Freunde dieses Lebens in allen seinen Dimensionen, sei es geboren oder noch ungeboren, sei es entfaltet oder behindert, sei es zeitlich oder ewig".


"Avantgarde einer kommenden Gesellschaft"


Die immer geringere Zahl an Kindern und jungen Menschen in Europa verweise letztlich auf das vorherrschende Menschenbild in der Gesellschaft: "Je mehr eine Gesellschaft sich als eine Spaßgesellschaft versteht, die als solche wenig Kraft hat, sich selbst in einer neuen Generation zu reproduzieren, desto weniger Aussicht gibt es auf eine weitreichende Trendwende".


Inmitten dieser Situation sollten entschlossene Christen zäh festhalten am Ideal stabiler familiärer Beziehungen, auch wenn sie damit eine Minderheit sind, so der Bischof. Entschlossene Christen seien "nicht die Nachhut einer sterbenden, sondern die Avantgarde einer kommenden Gesellschaft, die Europa nicht zu einem müden Abendland, sondern zu einem Morgenland mit Zukunft werden lässt".


Darüber hinaus sollten sich Christen aber auch für ein Europa einsetzen, "in dem der Auftrag Gottes an die Menschheit ernst genommen wird, sie möge die Umwelt als Mitwelt verstehen und sorgsam pflegen", sagte Bischof Kapellari.


Das Symposion in Klingenthal, das noch bis Freitag dauert, steht unter dem Generalthema "Das Verhältnis des Rechts der EU zum Recht der Mitgliedstaaten". Die Eröffnung nahm der frühere Bundesratspräsident em. Prof. Herbert Schambeck vor. Er ist Vorsitzender des Stiftungsrates der Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung.


An der Tagung nehmen Experten aus Österreich, Deutschland, Polen, Litauen, Rumänien, Russland und der Ukraine teil. U.a. stehen auch Begegnungen im Europaparlament, im Europarat und beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg auf dem Programm.


Bei einem Gottesdienst auf dem Mont Sainte-Odile - dem bedeutendsten elsässischen Wallfahrtsort - hob Bischof Kapellari die Friedensfunktion der Europäischen Union hervor. Er verwies auf die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, die im Laufe der Geschichte oft umstritten war. Nun aber sei diese Grenze durch die EU offen "und es gibt ein neues Miteinander, das die alten Wunden weitgehend oder ganz geheilt hat". An einem Ort wie dem Mont Sainte-Odile gelte das dankbare Gedenken auch den Gründervätern der Europäischen Union wie Konrad Adenauer, Robert Schuman und Alcide De Gasperi. Für Schuman und De Gasperi laufe das Seligsprechungsverfahren.



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