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"Alt-Tiroler" Bischöfe mahnen rechtes Freiheitsverständnis ein

 

Gemeinsamer Hirtenbrief der Diözesanbischöfe von Salzburg, Innsbruck, Bozen-Brixen und Trient zum Gedenkjahr 2009 - Bekenntnis zur Religionsfreiheit, aber Kritik an "Intoleranz von laizistischer Seite"

Innsbruck-Bozen-Trient, 10.06.2009 (KAP) Das "rechte Verständnis von Freiheit" haben die "Alt-Tiroler" Bischöfe - die vier Diözesanbischöfe von Salzburg, Innsbruck, Bozen-Brixen und Trient - in einem gemeinsamen Hirtenbrief zum Gedenkjahr 2009 eingemahnt. Als Beispiel nennen Erzbischof Alois Kothgasser, Bischof Manfred Scheuer, Bischof Karl Golser und Erzbischof Luigi Bressan die von der Verfassung garantierte Religionsfreiheit. Leider bestehe aber heute ein "schleichender Druck", das Religiöse aus dem öffentlichen Leben zurückzudrängen und es als lächerlich oder veraltet hinzustellen. Es gebe auch Intoleranz von laizistischer Seite, wobei die Präsenz anderer Religionen oft nur als Vorwand benutzt werde, um religiöses Brauchtum, entsprechende Symbole oder Feiern etwa aus Schulen oder Kindergärten zu verbannen. Das Bekenntnis zur Religionsfreiheit als Grundrecht verlange, für alle die Voraussetzungen für freie Religionsausübung zu schaffen, "in Einschätzung der jeweiligen Bedürfnisse und mit der Auflage, dass die Bestimmungen des Rechtsstaates anerkannt werden".


Religionsfreiheit bedeute auch, dass man der Kirche zugesteht, sich im Dienst des Gemeinwohls für die Rechte aller Personen, auch der ungeborenen Menschen und der Menschen mit Behinderung, der Kranken und Plegebedürftigen einzusetzen.

Präsentiert wurde der Hirtenbrief von Bischof Karl Golser in der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen; die Bischöfe Kothgasser und Scheuer waren per Videokonferenz zugeschaltet. Anlass für den Hirtenbrief ist das Gedenkjahr an die Ereignisse von 1809.

 

Die Bischöfe erinnern daran, dass die Tiroler Landstände angesichts der heranrückenden Truppen Napoleons 1796 in Bozen das feierliche Gelübde ablegten, fortan das Herz-Jesu-Fest feierlich zu begehen. Erstmals geschah dies am 3. Juni 1796. "Es ist gut und richtig, wenn wir Gläubige, in Kontinuität mit unseren Vorfahren, geloben wollen, der uns im Herzen Jesu erschlossenen Liebe Gottes die Treue zu halten", so die "Alt-Tiroler" Bischöfe.

 

"Freiheit ist auf Liebe ausgerichtet"

 

Vor dem Hintergrund des Freiheitskampfes vor 200 Jahren fragen die Bischöfe, was Freiheit im 21. Jahrhundert bedeuten kann, wobei sie feststellen: "Freiheit kann nicht bedeuten, dass die Menschen tun und lassen können, was sie wollen. Die eigene Freiheit findet ihre Grenzen zum einen an der Freiheit der anderen; zum anderen steht Freiheit immer in einem Bezug zur Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens". Letztlich sei Freiheit "auf Liebe hin ausgerichtet, auf die liebende Antwort auf die Liebe Gottes, auf liebende Beziehungen zu den Mitmenschen, auf eine gute Selbstliebe, indem wir unsere eigenen Fähigkeiten entfalten, auf die Beachtung der Schöpfung und der Umwelt. Eine fragwürdige, "leere" Freiheit sei es, sich viel leisten zu können und sich Konsumzwängen zu unterwerfen. "Freiheit kann nicht darin bestehen, sich immer alle Möglichkeiten offen zu halten, sondern sie muss bereit sein, sich in sinnvollen Tätigkeiten zu erfüllen und sich für Bindungen zu entscheiden", so die Bischöfe.

 

Was die politische Freiheit betrifft, dürfe sie nicht allein auf die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Staat reduziert werden. Das gegenwärtig mühsame Streben der Völker Europas nach Einheit und Abbau von Schranken sei ebenso zu bedenken wie die wirtschaftlich globalisierte Welt, die jetzt in einer Krise stecke und die Schere zwischen Armen und Reichen immer weiter auseinandergehen lasse.
"Politik steht im Dienste der sozialen Gerechtigkeit, des Friedens und der Erhaltung eines guten Lebensraumes auch für kommende Generationen", so die Überzeugung der vier Bischöfe.

 

Gegen verabsolutierten Heimatbegriff

 

Auch der Heimatbegriff dürfe nicht zu eng gefasst oder verabsolutiert werden, wie auch die Verehrung des Herzens Jesu "nicht ein Privileg der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung Tirols" sei: "Das Herz Jesu gehört allen Völkern und Sprachen." Der Begriff "Heimat" rühre an Fragen der Identität und Kultur und reiche "tief in die Welt unserer Gefühle hinein". Heute gilt es nach den Worten der Bischöfe "zuzulassen, dass Menschen anderer Sprache und Kultur sich bei uns beheimatet fühlen, wir müssen sogar dankbar sein, dass sie sich für unsere Heimat einsetzen wollen". Für Christen sei "die eigentliche Heimat im Himmel". Von daher bekomme Heimat wie alle irdischen Dinge "einen vorletzten Wert".

 

Dabei sei es - wie im Hirtenbrief betont wird - wichtig, sich für eine Heimat einzusetzen, in der auch kommende Generationen einen angemessenen Lebensraum vorfinden. Dies verlange den Einsatz für Frieden und die Erhaltung der Umwelt. Christus habe durch seine hingebende Liebe am Kreuz alle trennenden Wände der Feindschaft überwunden und in seiner Person die Möglichkeit eröffnet, neue Menschen zu werden. Wenn es im Evangelium zum Herz-Jesu-Fest heiße "Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben" (Joh 19,37), dann bildet dieses durchbohrte Herz Jesu "die Mitte des Christentums", wie die Bischöfe erklären: "Das Herz rettet, indem es sich öffnet, indem es sich hingibt und sich verschenkt."

 


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